Weil wir zu schnell urteilen…

Neulich auf dem Spielplatz beobachtete ich eine Mama und ihre zwei Kinder, ein Junge (etwa 6 oder 7) und ein Mädchen (etwa 4) …

Die Mutter stand trotz Rufen der Kinder teilnahmslos daneben und hatte sichtlich schlechte Laune und zögerte nicht, diese, bezogen auf die Wortwahl, an ihren zwei Mäusen auszulassen. Zunächst war ich entsetzt, doch dann dachte ich mir: „Oh man, manchmal hast du auch einfach nur einen scheiß Tag und motzt alle um dich herum an.“ Ernsthaft, jeder hat mal einen schlechten Tag. Mir wurde klar, dass ich nicht wusste, was dahinter steckt. Vielleicht haben die Kinder zu Hause großen Bockmist gebaut, doch die Mutter wollte den Kindern trotzdem etwas Gutes tun und ist mit ihnen nochmal auf den Spielplatz gegangen. Oder vielleicht hat sie auch einen schweren Schicksalsschlag zu verkraften, oder oder oder…. Niemand weiß es, außer die Mutter selbst. Für mich stand fest, über diese Frau nur anhand dieser Minuten auf dem Spielplatz gleich schlecht zu urteilen, steht weder mir noch anderen zu. Und ich bin mir sicher, sie liebt ihre Kinder abgöttisch, auch wenn sie mal einen schlechten Tag hatte.

Überhaupt ertappe ich mich zur Zeit immer häufiger dabei, Menschen schnell zu verurteilen und dann diesen Moment zu haben, in dem ich mir denke „Halt mal, du kennst diese Person gar nicht. Du weißt nicht, was dahinter steckt…“ . Bewusst versuche ich solche Dinge auch erst zu hinterfragen, seit ich so gut abgenommen habe und noch weiter dran bin, den Kilos den Kampf anzusagen. Sicher denken die Leute auch über mich oft „Mein Gott, die muss sich ja gehen lassen haben. Wie dick sie ist…“, ohne dass sie die wirkliche Geschichte der Stoffwechselstörung dahinter kennen. Ohne, dass sie wissen, dass ich schon fast 9 Kilo verloren habe und auf einem gutem Weg bin. Wenn sie mich mal was Süßes oder Fettiges essen sehen, wissen diese Leute auch nicht, dass sie mich gerade an meinem „Schlemmertag“ der Woche beobachten und sehen nicht, dass ich den Rest der Woche extrem gesund esse und Sport treibe.

Ein anderes Beispiel: Anfang der Woche hatte ich morgens einen Arzttermin. Da die KITA auf dem Weg lag, wollte ich die Große vorher dort hinbringen und anschließend weiter zum Arzt laufen. Wir waren spät dran und ich ermahnte Emily immer wieder, dass wir uns beeilen müssen. Mit Sicherheit hätte es die ein oder andere Mama/Papa gegeben, die in dem Moment gedacht hätte „Meine Güte, das arme Kind.“ … Diese Leute hätten dann aber auch nicht gewusst, dass ich so unter Zeitdruck stand und dass Emily gerade an diesem Morgen besonders lange geschlafen hatte und ich sie nicht noch eher wecken wollte, da mir der Schlaf meiner Kinder auch wichtig ist. Sie sehen in diesem Moment auch nicht, das wir an anderen Tagen ganz harmonisch Hand in Hand zur KITA laufen.

All diese Dinge haben mich doch sehr zum Nachdenken gebracht.

Was ich mit diesem Beitrag aber überhaupt sagen will: Wenn ihr das nächste Mal Leute beobachtet und euch dabei ertappt, schlecht über diese Leute zu urteilen, versucht doch einfach mal diese Situation für euch zu hinterfragen. Könnte es vielleicht Dinge oder Hintergründe geben, die diese Situation in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen?

Es gibt genug Terror, Leid und Hass in dieser Welt, versuchen wir doch, die Welt wenigstens unter uns Müttern/Vätern (und alle anderen 😉 ) ein bisschen Vorurteilsfreier und fröhlicher zu gestalten!

8 thoughts on “Weil wir zu schnell urteilen…

  1. Sehr schön geschrieben und so wahr! Ich denke mir das auch oft, muss aber zugeben, dass ich mich ebenfalls beim Urteilen ertappe. Gleichzeitig ist mir dann aber doch klar, dass man die Vorgeschichte nicht kennt, wie bei einem selbst, manchmal hat man die gleiche Diskussion vorher schon 10x gehabt oder einfach einen doofen Tag. Klar bin ich auch mal unfair, aber meistens sind Situationen nicht kontextlos.

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      1. eben, ich glaube, das gehört zum Alltag. Aber man sollte sich öfter reflektieren und das geht zumindest bei mir im Stress oft unter. Absolutes No-Go, wo mir jeglicher Grund egal ist, wenn ich sowas mitbekomme, ist physische Gewalt, also Schläge. Ein Kind mal festhalten, dafür gibts auch gute Gründe, aber für Schläge niemals.
        Fehler macht man, wir sind alle auch nur Menschen.

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  2. Ich bin ganz bei Dir. Ich ertappe mich auch oft – sowohl auf der einen Seite (Verurteilen), als auch auf der „Kiiiiiiind wie du Dich heute aufführst ist Unmööööööglich“-Seite. Leider.

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