Ich war schwanger…

Eigentlich sollte dieser Beitrag ein ganz anderer werden. Freudestrahlend und aufgeregt wollte ich euch die Nachricht verkünden: „Wir sind schwanger!“… Doch es kam (wie immer)  wieder alles anders…

Leider blieben auch wir nicht von dieser so schmerzhaften und schockierenden Nachricht verschont: „Da ist kein Herzschlag mehr, kein Leben…“

Es war der 14.09.2015, an dem ich durch zwei Schwangerschaftstests genau das bestätigt bekommen habe, was ich schon eine Woche stark vermutet hatte: „schwanger“. Aufregung. Freude.

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Und von der ersten Sekunde an, war da dieses Gefühl. Seltsam. Irgendwas stimmt nicht.

Da ich starke Medikamente nehme, die im Falle einer Schwangerschaft durch Ersatzpräparate getauscht werden müssen, wurde mir die Schwangerschaft recht schnell von der Ärztin bestätigt. Sie sah eine kleine Fruchthöhle, datierte mich direkt auf den 19.05.2016 – völlig entgegen meiner Rechnung, da ich genau wusste, dass ich eine Woche zurückliegen muss. Alles verlief erstmal normal.

Bis zu dem einen Samstag. Ein seltsames Bauchgefühl machte sich breit. Ein Ziehen, wie ich es von Emily noch nicht kannte. Zu meiner Beruhigung fuhren wir ins nächstgelegene Krankenhaus. Nach 1,5 Stunden warten der Rückschlag im Ultraschall: Eine riesige Menge an Flüssigkeit. Direkt neben der Fruchthülle. Laut Ärztin ein äußerst schlechtes Zeichen! Ein Embryo so noch nicht erkennbar, nicht der Woche entsprechend. Flüssigkeit könnte von einem weiteren Baby kommen, dass bereits abgegangen ist. Von der gefühlskalten Ärztin, die nach ihrer eigenen Aussage das Ultraschallgerät nicht bedienen konnte, will ich gar nicht erst anfangen… Auf dem Rückweg liefen mir die Tränen. Fassungslosigkeit.

Am Montag darauf bei meiner Ärztin: Flüssigkeit immer noch da und auch größer geworden. Keiner wusste was das ist. Ein Embryo war zwar erkennbar, jedoch zu klein. Die Ärztin ratlos. Am Abend kurz vor 20 Uhr klingelte mein Telefon. Die Ärztin, die sich nochmals intensiv mit ihren Kolleginnen mit meinem Fall befasst hat. Ergebnis: MEINE Berechnung stimmte. Die Fruchthülle, die anfangs gesehen wurde war bereits schon die Flüssigkeit und die eigentliche Fruchthülle erst später erkennbar. Und somit war alles perfekt entwickelt! Ich wurde zurückdatiert auf den 27.05.2016 – ausgerechnet der 10. Todestag meiner Mama. Und Entwarnung: KEINE Zwillinge, die Flüssigkeit sei etwas anderes. Ich sah es in dem Moment als gutes Zeichen, endlich konnten wir aufatmen. Uns freuen.

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Das seltsame Gefühl jedoch blieb. Eine Woche später: Flüssigkeit immer noch da. Und wieder weiß keiner, was das sein soll. Aber Erleichterung: Das Herz schlägt kräftig und munter! Für uns ein Anlass, es den engsten Freunden und Familie zu sagen, die Freude zu teilen. Einen Tag später wollte ich es auch meinem Chef auf Arbeit bekannt geben.

Doch nach dem Aufstehen direkt der Schock: Blutung. Statt zum Chef gings ab zum Arzt. Ein Ultraschall zeigte: Baby gehts gut, Herz schlägt, allerdings in den zwei Tagen nicht gewachsen. Aber was sind schon zwei Tage. Es gibt ja auch Messfehler. Schließlich schlug das Herz. Und noch etwas: die Flüssigkeit war weg. Vermutlich die Ursache der Blutung. Erleichterung.

Einige Stunden später auf Arbeit ging es mir so schlecht, dass mein Mann mich abholen musste. Die Blutung wurde stärker, mein Kreislauf schwächer. Nach erneuter Rücksprache mit der Ärztin bekam ich eine Krankschreibung mit strenger Bettruhe. Dazu unterstützende Hormone. Ich hielt mich brav daran. Wollte die Hoffnung entgegen meines schlechtes Bauchgefühls nicht aufgeben.

Es wurde nicht besser. Am Freitag kamen extreme Krämpfe hinzu, sodass wir uns am Abend erneut für einen Gang ins Krankenhaus entschieden. Ich traf erneut auf die unfähige Ärztin vom letzten Mal und eine sehr nette Kollegin, die wenigstens menschlich das gut machen konnte, was der anderen fehlte. Ursache für die Blutung konnte nicht gefunden werden. Alles war noch an Ort und Stelle. Das Ultraschallgerät hat die Ärztin nach eigener Aussage so überfordert, dass sie keinen Herzschlag suchen konnte oder wollte. Zuhause angekommen die Erleichterung: die Blutung hörte endlich auf! An diesem Abend im Bett sprach ich das erste Mal zu meinem Baby. Ich flehte es an, zu kämpfen.

Doch die Ruhe währte nicht lange. Am nächsten Morgen kam die Blutung mit doppelter Wucht zurück. Es war Samstag, nochmal Krankenhaus wollte ich nicht. Ich ruhte mich weiter aus. Es wurde nicht besser und wir fuhren Sonntag dann doch. Diesmal in ein anderes Krankenhaus. Noch immer war alles an Ort und Stelle, wo es hin gehört. ABER…

Wie in Trance nehme ich die Worte auf, mit denen ich eigentlich schon so lange gerechnet habe: „Es tut mir leid – ich sehe einfach keinen Herzschlag. Egal wie ich es drehe und wende. Da ist nix mehr. Gewachsen ist es auch nicht mehr in den letzten 1,5 Wochen.“

Zu meiner Überraschung nahm ich diese Worte gefasster auf, als ich dachte. Meine Tränen konnte ich bis zum Auto zurückhalten. Da war er nun also – der Moment, den ich so lange gefürchtet und doch damit gerechnet hatte. Fehlgeburt (oder medizinisch gesagt „Abort“) Ende der 8. Woche. Unbegreiflich und doch real. Das Herz schlug doch letztens noch. Schockzustand.

Die 100%ige Bestätigung erhielt ich einen Tag später durch meine Ärztin. Bis heute weiß keiner, woher die Flüssigkeit kam und ob diese der Auslöser war. Keiner weiß, wieso ich von Beginn an dieses seltsame Gefühl hatte. Wahrscheinlich der mütterliche Instinkt.

Umso dankbarer bin ich, bereits eine kleine und wundervolle Tochter zu haben. Und einen so wunderbaren Ehemann. Familie. Mein Ein und Alles!

Es ist hart. Und doch eine Erleichterung. Das wochenlange (!!!) Auf und Ab und Hin und Her wurde immer mehr zum regelrechen Psychoterror. Baby gehts gut – Baby gehts schlecht. Keine Sorgen machen – doch Sorgen machen. Es war nicht mehr auszuhalten.

Und nun ist es, wie es ist. Und nie werde ich diese Zeit und unser kleines Wunder vergessen. Wir müssen nach vor blicken und positiv in die Zukunft gehen. Für Emily. Unseren größten Schatz.

Ich war schwanger. Ich habe mein Baby verloren. Ich bin jetzt eine Sternchen-Mama.

18 thoughts on “Ich war schwanger…

  1. Liebe Judith,

    Beim Lesen des Textes sind mir die Tränen gekommen. Schrecklich, welche Tortour du und deine Familie über Wochen durchmachen musstet! Ich wünsch euch aufhellende Momente und Lichtblicke in dieser dunklen Zeit, die ihr jetzt durchstehen müsst.

    LG, Isa

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  2. Liebe Judith,
    beim lesen blieb mir der Atem weg und es tut mir sooo leid, dass ihr durch so eine harte Zeit gehen musstet! Ich drück dich ganz doll und wünsche euch viel kraft und liebe! Love lydia

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  3.  „Wo Worte fehlen, 
    das Unbeschreibliche zu beschreiben, 
    wo die Augen versagen, 
    das Unabwendbare zu sehen, 
    wo die Hände das Unbegreifliche nicht fassen können, 
    bleibt einzig die Gewissheit, 
    dass Du für immer in in unseren Herzen weiterleben wirst. “ -unbekannt-

    Es tut mir sehr leid, was euch als Familie passiert ist.

    Ich wünsche euch viel Kraft und Ablenkung durch euer erstes Kind.

    Lg

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  4. Es tut mir so leid für dich, für euch! Ich sitze gerade hier und weine! So etwas ist unfair und einfach nur gemein, ich weiß, dass die nicht lebensfähigen Babys schon im Mutterleib abgestoßen werden, aber wer weiß schon, was genau im Körper in diesem Moment vor sich geht.
    Ich wünsche euch alles alles gute! Probiert ihr es denn weiter?

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  5. Es tut mir so leid für dich, für euch! Ich sitze gerade hier und weine! So etwas ist unfair und einfach nur gemein, ich weiß, dass die nicht lebensfähigen Babys schon im Mutterleib abgestoßen werden, aber wer weiß schon, was genau im Körper in diesem Moment vor sich geht.
    Ich wünsche euch alles alles gute! Probiert ihr es denn weiter?

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